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1600km quer durch Deutschland-Wandersegelflug vom 5.-8.7.2010 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sibylle Engelhardt   
Montag, 12. Juli 2010
Nachdem unsere Eltern uns schon als Kinder damit gequält hatten, stundenlang durch  Wälder und über Berge zu wandern, hatten wir schon lange davon geträumt, dies endlich einmal mit Flügeln zu tun.

Am 5.7. war es dann endlich soweit. Die Wetterlage versprach für die kommenden Tage fliegbares Wetter, und so machten Swen mit seiner DG 800 FW und ich mit meiner LS 9 ML uns auf, diesen Traum wahr zu machen.


Erster Tag: Mannheim-Lüsse

Schon erstaunlich, wie viel Gepäck man in so einem Flieger unterbringen kann! Die ML als Frauenflieger unterschied sich von der FW hauptsächlich durch die Anzahl der mitgeführten Kosmetikartikel und den Reisefön (der hatte tatsächlich auch noch Platz!).

In der Nacht überquerte eine kleine Kaltfront den Norden Deutschlands, deren Reste auch noch am Morgen das Wetter bestimmten. In der Rhön regnete es noch um 10 Uhr.

Gegen 11:30 Uhr starteten wir mit dem Ziel Lüsse, im westlichen Odenwald hatten sich die ersten Cumulanten gebildet. Allerdings war der Einstieg in den Odenwald sehr schwierig, wir waren anfangs sehr tief und mussten in „Ameisenkniehöhe“ noch einmal über Heidelberg heraus gleiten.

Weiter im Westen wurde es deutlich besser, mit Basishöhe bis 1600m und guten Steigwerten hatten wir richtig viel Spaß!




Schwierig wurde es im Gebiet zwischen Rhön und Thüringer Wald, da es dort ja vormittags noch geregnet hatte und noch sehr viel Feuchtigkeit im Boden war. Aus diesem Grunde entschieden wir uns, erst einmal weiter nach Norden zu fliegen. Über Eisenach und Nordhausen erreichten wir den Harz. Bei Nordhausen konnten wir für die Harzüberquerung auf 1600 m kurbeln und erlebten über dem Harz den entspannendsten Teil des Fluges.

An der Basis flogen wir nur geradeaus und stiegen sogar an der teilweise ausfasernden Basis weiter. Wir hatten dabei wunderschöne Ausblicke auf den Brocken und den Rappbode-Stausee.

Auf der Ostseite des Harzes war es allerdings wieder mühsam, Anschluss zu bekommen. Die Reste der Front lagen immer noch im Süden des Gebietes, und außerdem bietet die Magdeburger Börde auch nicht viele Geländemarken. Bei Oschersleben und kurz danach bei Magdeburg hatten wir nur noch 500 m (MSL), doch die Stadt mit ihrer Erwärmung half uns etwas, so dass wir die Elbe überfliegen konnten und „nur“ noch -300m auf Lüsse hatten.

Allerdings standen wir noch vor dem Problem, die E-DR73 umfliegen zu müssen, so dass wir nicht auf Direktkurs gehen konnten. Wir entschieden uns für den etwas weiteren nördlichen Weg, da südlich uns die schon mehrfach erwähnte Front wahrscheinlich den Endanflug ohne Motor unmöglich gemacht hätte.

Wir hatten zwar nur noch Steigwerte zwischen 0,5 und 0,8m, aber diese reichten dann doch, um unterwegs einen komfortablen Endanflug von 350 m zu erarbeiten.

Der Empfang in Lüsse war sehr herzlich, die beiden Zivis Malte und Christoph halfen uns sogar, für die FW und die ML ein Plätzchen in der riesigen Halle des FCC Berlin zu finden.

Wir konnten im Clubheim übernachten und dort die komplette Infrastruktur des FCC nutzen. Vielen Dank dafür!

Das war schon mal ein gelungener erster Flugtag, und das leckere Abendessen in Gasthof in Lüsse war wohlverdient!

 

Zweiter Tag: Lüsse-Greifswald-Stendal

In der Nacht hatte eine weitere Front den Norden überquert, deren Reste noch zu sehen waren. Die Wettervorhersage sprach für Mecklenburg von 7/8 mittelhoher Bewölkung und entsprechenden Steigwerten. Besser wäre es wahrscheinlich Richtung Osten gewesen, aber wir  wollten unbedingt das Meer sehen, so dass wir uns für den Flug Richtung Mecklenburg entschieden.

Nach kurzen Anfangsschwierigkeiten ging es mit guten Steigwerten auch im Geradeausflug bei einer Basishöhe von bis zu 1200 m super bis zu den Mecklenburger Seen. Die Landschaftseindrücke waren grandios, doch leider war es am Müritzer See erst einmal vorbei mit dem guten Steigen. Wir hatten ziemlich zu kämpfen und kurbelten im Bereich des Flugplatzes Rechlin nur noch in 200 m Höhe mit 0,1-02 m. Mir hatte es dann nicht einmal mehr gereicht, den Motor anzumachen, so dass ich sicherheitshalber lieber in Rechlin landete. Swen kämpfte sich durch, und nach meiner „Pinkelpause“ konnten wir dann gemeinsam weiter Richtung Greifswald und Ostsee fliegen.

Der Anblick der Ostsee war sensationell, und für uns Mannheimer ein Bild, das extremen Seltenheitswert hat. Das Fotoshooting mit der ML kostete mich allerdings so viel Höhe, dass wieder der Motor zum Einsatz kommen musste, aber das war es allemal wert!

Der Rückweg nach Stendal gestaltete sich wieder als sehr schwierig. 7/8 mittelhohe Bewölkung und magere Steigwerte machten uns das Leben schwer. Dafür konnten wir in aller Ruhe die traumhafte Landschaft genießen, denn wenn man 20 min über einer Klosterruine kurbelt hat man viel Zeit, auch mal einen Blick zu riskieren.

Da der Direktkurs nach Stendal komplett im Schatten lag, entschieden wir uns, weiter nach Westen zu fliegen, da dort noch Aufreihungen lagen. Allerdings mussten wir südlich von Schwerin dann in ein blaues Loch, das uns dann endgültig dazu zwang, den Motor zum Endanflug zu nutzen.

In Stendal war der Empfang sehr herzlich, der Wettbewerbsleiter des ab 8.7. stattfindenden Wettbewerbes,  Henning, kümmerte sich sehr nett um uns und besorgte uns auch Übernachtungsmöglichkeiten in Wohnwägen am Platz, so dass diese Frage auch sehr schnell geklärt war.

In Stendal trafen wir Hermann Rosing, der uns aus Borken entgegen gekommen war, und mit dem wir dann am nächsten Tag weiter fliegen wollten, außerdem Lutz und Markus, die aus Mannheim zum Wettbewerb gekommen waren.

Dritter Tag: Stendal-Borken

Der dritte Tag begann mit einem ausführlichen Wetter-Briefing. Die Aussichten für den aktuellen Tag im Westen wie auch für den Folgetag waren nicht so gut, denn wir rechneten mit erheblicher Warmluftzufuhr und allenfalls mäßiger Blauthermik. Außerdem sollte im Westen nachmittags eine Abschirmung hereinkommen, die uns das Leben schwer machen würde, so dass kurz auch der Heimflug zur Diskussion stand.

Wie gut, dass wir uns letztlich doch für den Weiterflug entschieden!

Wir starteten gegen 11 Uhr bei 3/8 Cu und guten Steigwerten und flogen Richtung Westen an Braunschweig und Hildesheim vorbei Richtung Weserbergland. Dort standen die letzten Cu, und wir überquerten mit 1500m Basishöhe die Berge besser als erwartet.

Vorbei an Ith und Bad Pyrmont erreichten wir den Teutoburger Wald im Blauen.

Von dort an war die Basis nur noch bei 1300m, und Hermann, der an diesem Tag die Führung übernommen hatte, durfte seine ganze Ortskenntnis ausspielen, um uns den rechten Weg zu weisen. Swen und ich konnten die für uns neue Erfahrung machen, wie praktisch die Industrieanlagen im nördlichen Ruhrgebiet für Segelflieger sein können.

Außerdem hatten wir Glück, dass die erwartete Abschirmung erst am Spätnachmittag eintraf als wir im Westen den Rhein erreichten und problemlos schon Endanflughöhe auf Borken hatten.

Dort konnten wir dann die tolle Gastfreundschaft von Hermann und seiner Frau Magdalene genießen.

 

4. Tag: Borken-Mannheim

Morgens stand wieder nach einem gemütlichen Frühstück auf der Terrasse ein ausführliches Wetter-Briefing an. Vorhergesagt war Blauthermik mit nicht so komfortablen Basishöhen um 1300m. Deshalb machten wir uns schon einen Plan, wie wir westlich des Luftraumes D von Köln von Kraftwerk zu Kraftwerk gleiten könnten, um die Eifel zu erreichen.

Wie sehr sich manchmal doch die Realität von der Prognose unterscheidet! Gleich nach dem Start hatten wir im Blauen einen Bart mit 3 m/s auf 1700m, und der Weg westlich des Luftraumes war völlig unkompliziert.

Über der Eifel stieg die Basis sogar auf 2300m, die Steigwerte lagen deutlich über 2 m/s. Zu zweit war die Eifelüberquerung ein Vergnügen, und auch an diesem Tag hatten wir genug Zeit, die Landschaft zu genießen.

Über Koblenz flogen wir entlang des Rheins zwischen Luftraum D von Frankfurt und Hahn durch. Diese Möglichkeit erschien uns als die bessere im Vergleich zum westlichen Umfliegen von Hahn, was einen deutlichen Umweg dargestellt hätte. Wahrscheinlich wäre auch das gegangen, aber bei der Flugplanung morgens konnten wir noch nicht ahnen, dass wir so gute Blauthermik zu erwarten hatten.

Östlich des Donnersberges wurde es noch einmal spannend, aber südlich Grünstadt fanden wir 1,5 m/s, und die BASF trug wie gewohnt, so dass wir nach ereignisreichen vier Tagen sicher wieder in Mannheim landeten.

 

Fazit:

Wandersegelflug ist eine tolle Erweiterung des fliegerischen Horizontes. Wir haben unglaublich viele verschiedenen Landschaften gesehen, tolle Gastfreundschaft kennen gelernt, und letztlich ist es mit etwas Planung auch völlig unkompliziert.

Wir werden es auf jeden Fall wieder machen, und können es zur Nachahmung nur empfehlen.

Von den Eindrücken werden wir noch sehr lange zehren, und für mich persönlich war es der fliegerische Höhepunkt der Saison!

 

Letzte Aktualisierung ( Montag, 12. Juli 2010 )