Segelfliegen im Winter: Ab in die „Weihnachtswelle“

Geschrieben von Leif Schreiber am 30.12.2019 um 01:05 Uhr


Es ist fast schon eine Tradition: jedes Jahr um die Weihnachtszeit entstehen bei uns über dem Rheintal gute bis sehr gute Leewellen auf der Ostseite des Pfälzer Walds. Die für diese Jahreszeit typischen starken Westwinde, gepaart mit einer stabilen Temperaturschichtung der unteren Atmosphäre, machen dieses besondere Wetterphänomen möglich. Eine nette Alternative zur Welle ist zudem der Hangflug entlang der Bergstraße. Hierfür wird ebenfalls starker Westwind in 90° Richtung zum Gebirgshang benötigt. Manchmal ist es sogar möglich, von der Welle an den Hang zu wechseln, oder umgekehrt.

Obwohl dieses Mal die Vorhersage eher durchwachsen ausfiel, ließen sich 4 motovierte Mannheimer Piloten nicht davon abhalten, ihr Glück zu versuchen. So trafen sich alle inkl. tatkräftiger Helfer*innen am Montag, 23.12.2019 früh morgens, um alles vorzubereiten. Da unsere Flugzeuge über Winter abgebaut und in ihren Anhängern untergebracht sind, mussten diese erst aufgebaut und flugklar gemacht werden. 

Gegen 9 Uhr startete der erste F-Schlepp in Richtung Pfälzer Wald. Wie sich schnell herausstellte, waren die vorgefundenen Bedingungen alles andere als einfach. Das Wolkenbild änderte sich beinahe im Minutentakt, von strahlend blauem Himmel, bis hin zu einer geschlossenen Wolkendecke mit leichtem Regen, war alles möglich. Die Welle war zudem schwer zu lokalisieren und die Steigwerte nicht besonders stark. Erschwerend kam hinzu, dass der Hangaufwind an diesem Tag kaum nutzbar war. Der Wind war hierfür einfach zu schwach und hatte zu viel Südkomponente.

Einige Piloten mussten deshalb frühzeitig wieder landen und starteten zu einem neuen Versuch. Es war also Durchhaltevermögen gefragt, doch am Ende hatte sich der Aufwand durchaus gelohnt. Wie unschwer auf den Bildern zu erkennen, wird man mit atemberaubenden Ausblicken belohnt, die man beim Segelfliegen nicht alle Tage hat. Von den Mannheimer Piloten gelang Michael Petzold mit knapp 4,5h und über 260km der längste Flug des Tages, gefolgt von Stefan Kleiber mit 2,5h und über 200km. 

Es wurde wieder mal bewiesen, dass man kein perfektes Wetter braucht, um unvergessliche Flüge zu erleben. Solltet ihr also das nächste Mal zögern, ob es sich lohnt den Flieger aus der Halle zu ziehen, hier mein Rat: Just do it!