Wellenreiten in Moriarty, New Mexico USA

Geschrieben von Magnus Bieneck am 29.05.2017 um 11:21 Uhr


Unsere Vereinsmitglieder Sibylle und Ingo Andresen verbringen die Flugsaison in diesem Sommer in den USA. Hier ein Erlebnisbericht von ihrer ersten Station in Moriarty. Mehr über ihre spannenden Flüge, Land und Leute findet ihr in ihrem Blog auf https://soaringusa2015.wordpress.com.

Nachdem wir eine ganze Woche am Boden bleiben mussten, konnten wir am Freitag endlich einmal wieder fliegen. Grund war wieder einmal der starke Wind, und ein Tiefdruckgebiet, das eiskalte Luft aus Norden brachte. Am Mittwoch machten wir einen kleinen Ausflug in die nähere Umgebung und durften uns dabei wunderschöne Lenticularis (linsenförmige Wolken, die sich zusammen mit Wellen ausbilden; Info für die Nichtflieger) von unten anschauen. Es wäre bei dem starken Wind und über viele Kilometer im blauen nicht möglich gewesen, diese mit dem Segelflugzeug zu erreichen.

Der Freitag begann mit einer recht niedrigen Wolkenbasis. Die 1200m über Grund (hier bei mehr oder weniger unlandbarem Gelände ist das nicht sehr gemütlich; zuhause freut man sich an manchen Tagen darüber) wurden erst am frühen Nachmittag erreicht. Die Steigwerte Richtung Norden waren nicht wirklich toll, und die Wolkenbasis sank auch schon bald wieder ab, so dass wir schon nach kurzer Zeit wieder Richtung Flugplatz flogen.

 

So schnell wollten wir den Tag allerdings noch nicht aufgeben. Ca. 35 km westlich von Moriarty erhebt sich eine Hügelkette bis 3000m Gipfelhöhe (dort hatten sich u.a. zwei Tage zuvor die schönen Wolken ausgebildet). Bei dem strammen Westwind hatten wir die Hoffnung, dort wieder auf Wellen zu treffen. Ca. 15-20km westlich von Moriarty trafen wir auf den ersten sehr ruppigen Aufwind mit über 4 m/s Steigen, ein Zeichen dafür, dass da tatsächlich etwas wellenartiges sein könnte (für Nichtflieger: im Lee von Gebirgen/Hügelketten bilden sich bei starkem Wind sehr turbulente Rotoren, die teilweise sehr gutes Steigen bringen können, aber auch entsprechend Abwinde).  Die Wolken waren zwar nicht so typisch wir zwei Tage zuvor, lagen aber in mehreren Reihen hintereinander parallel zum Hügelkamm.

 

 

Nachdem wir uns durch die ruppige Thermik gequält hatten, begann es dann tatsächlich vor der Wolke ruhig zu steigen. Ein Blick nach unten auf die Wolkenschatten, die sich fast mit der Geschwindigkeit des Westwinds nach Osten bewegten, signalisierte uns, dass es wir nicht mit einer reinen, stationären Wellensituation zu tun hatten.

Immer wieder nach Westen gegen den Wind vor fliegend gelang es uns in kleinen aber schnell versiegenden Steiggebieten weiter an Höhe zu gewinnen. Die mit zunehmender Höhe stetig anwachsende Windgeschwindigkeit unterstützte uns. An den Westflanken der thermisch aufquellenden Wolken wurde er leicht nach oben abgelenkt und trat immer wieder an die Stelle der erlahmenden Schwerewellen.

 

So profitierten wir von einem engräumigen Mix von Aufwindarten der uns schließlich ermöglichte, die Wolken weit zu übersteigen bis auf ca. 5100m Höhe. Dort war dann Schluß. Dank der einmaligen Sicht in der postfrontalen Kaltluft konnten wir den größten Teil New Mexicos überblicken.

Leider war es aufgrund des Luftraumes C des internationalen Flughafens Albuquerque nicht möglich, weiter nach Westen vor zu dringen. Trotzdem hat es viel Spaß gemacht! Wir beendeten den Tag, indem wir den Flug thermisch noch nach Norden und dann Südwesten etwas verlängerten.

Es war zwar kein großer Flug, aber abwechslungsreich und kurzweilig.  Auf einer Distanz von nur 70 km reihten sich im Süden ein völlig wolkenloser Bereich der bis an die mexikanische Grenze reichte, nördlich angrenzend entwickelnde sich zögernd Wolkenthermik,  der sich weiter nördlich dann ein kleines Gebiet mit Wellenaufwinden anschloss, das dann nach einem kurzen Cumulus Intermezzo keine 30 km in Richtung Norden in zum Teil aufliegende Bewölkung überging aus der es intensiv regnete.