Wenn das Flugzeug komplett zerlegt wird

Geschrieben von Magnus Bieneck am 11.02.2017 um 10:55 Uhr


Unsere Mitglieder arbeiten seit November eifrig in der vereinseigenen Werkstatt unter der Anleitung unserer qualifizierten Segelflugzeug- und Zellenwarte an der regulären Überholung unserer sieben Vereinsflugzeuge. Um sie wieder fit für die neue Flugsaison zu machen umfasst die Instandhaltung der Flugzeuge die Inspektion, nämlich die Feststellung und Beurteilung des Ist-Zustandes, die Wartung (Bewahrung des Soll-Zustandes) sowie die Instandsetzung- die eigentliche Wiederherstellung des Soll-Zustandes. Hinzu kommen Verbesserungen in Form von behördlich geforderten Modifikationen, vom Hersteller empfohlenen Modifikationen oder eigene Verbesserungen.

Beim Segelflugzeug gibt es dazu wie auch bei den großen Flugzeugen verschiedene Wartungsintervalle mit unterschiedlichen Eindringtiefen um das Fluggerät sicher und betriebsbereit für den Flugbetrieb zu halten. Die dabei intensivste, tiefste und längste Prüfung sind die jeweiligen 3.000 Stunden-Kontrollen, vergleichbar mit dem sogenannten „D-Check“ bei großen Verkehrsflugzeugen. Sie wird erstmalig nach 3.000 Stunden und wiederum nach jeweils weiteren 3.000 Stunden bis zum Lebensende der Flugzeugzelle durchgeführt. Bei unserer einsitzigen Rolladen-Schneider LS-8 war diese Prüfung nach erreichten 3.000 Stunden nun erstmals fällig.

Dabei wird das Segelflugzeug komplett in alle Einzelteile demontiert und sämtliche Komponenten gereinigt und entfettet. Ein durch das LBA zertifizierter Prüfer erstellt dann zusammen mit dem Segelflugzeugwart einen zustandsbasierten Befundbericht welcher als Grundlage für die auszuführenden Arbeiten dient. Eine genaue Untersuchung der Flugzeugoberfläche, dass heißt den vor Sonneneinstrahlung schützenden Lack oberhalb der empfindlichen Glasfaserstruktur, ist die erste Aufgabe. Es folgt die gewissenhafte Überprüfung der Steuerseile und sämtlicher weiterer Komponenten, wie etwa die Instrumente, Verbindungselemente sowie dem Fahrwerk. Besonders die Überprüfung der Querruderschächte und der erneute Einbau der Querruder inklusive der Abdichtung machte dem Team unter Leitung von Lutz Heydecke viel Arbeit: „Die aus Performance-Gründen notwendige Abdichtung des Bereichs zwischen Tragflügel und Querruder auf der jeweiligen Ober- und Unterseite mit einem sogenannten „S-Schlagband“ war viel Detailarbeit. Alleine nur daran haben wir sicherlich 10 bis 12 Stunden gearbeitet…“.

Nach der Wartung und Instandsetzung der Komponenten erfolgt eine für die Schwerpunktlage wichtige und notwendige Wägung aller Einzelkomponenten. Wenn schließlich alle Einzelkomponenten wieder eingebaut und sich das Segelflugzeug im Originalzustand befindet erscheint der zugelassene Prüfer erneut um die durchgeführten Arbeiten bei der Jahresnachprüfung abzunehmen. Nun ist lediglich noch ein 40 Prüfpunkte umfassender Werkstattflug durch den für die Arbeiten verantwortlichen Segelflugzeugwart mit anschließenden Flugbericht notwendig und das Flugzeug ist wieder bereit für weitere 3.000 Stunden Flugzeit bis zur nächsten großen Kontrolle. Dazwischen erfolgen viele weitere, kleinere Prüfungen. Insgesamt vier Personen waren rund 100 Arbeitsstunden nur mit diesem 3.000 Stunden-Check befasst- es zeigt das die Sicherheit auch bei Segelflugzeugen in nichts den großen Fliegern nachsteht.